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Der Autor Colum McCann schreibt über den Israeli Rami Elhanan und den Palästinenser Bassam Aramin, die gemeinsam im Kampf für den Frieden zu Freunden werden, obwohl sie allen Grund hätten sich zu hassen.

Beide haben ihre Töchter verloren. Smadar starb 1997, mit 13 Jahren, bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag und Abir starb zehn Jahre später als Zehnjährige durch das Gummigeschoss eines israelischen Grenzsoldaten. McCann erzählt, wie sie über ihre Töchter sprechen, über das was sie verloren haben und wie sie damit umgehen. Oft sprechen sie vor vielen Menschen, oft vor Schulkindern und erzählen ihre Geschichte in ihrer Heimat und auch in fernen Ländern, manchmal bis zu sechsmal am Tag.

Der Autor setzt seine Geschichte aus gefühlt unendlich vielen kleinen Geschichten zusammen und wie ihm diese literarische Friedensbotschaft gelingt ist große Kunst, ein literarisches Apeirogon. Apeirogon ist eine zweidimensionale geometrische Form mit einer gegen unendlich gehenden Zahl von Seiten. Der ganze Roman ist wie ein Kaleidoskop aus Sprüngen zwischen den Kapiteln, aus Themen und Zeiten. Beeindruckend bindet er die Erzählungen von Rami und Bassam mit großem Bogen in einen Kontext von Theresienstadt nach Jerusalem, vom Vogelzug über dem Westjordanland und dem Toten Meer zu Mahatma Gandhi ein. Dies ist ein Roman mit einer Botschaft. Frieden entsteht nur, im Verzicht auf Rache.

Colum McCann: Apeirogon

Rowohlt, EUR 25,00, 9783498045333

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