Empfehlungen

WDR 2 am 23. März 2022 -Brigitta Lange empfiehlt Anotoine Laurain: Eine verdächtig wahre Geschichte

Der Autor Antoine Laurain ist dafür bekannt, dass er Unterhaltungsromane schreibt, die nicht kitschig sind, sondern amüsant, klug und weise. Auch bei "Eine verdächtig wahre Geschichte" ist ihm dies wieder gelungen. Neu kommt hinzu, dass er erstmals einen Krimi geschrieben hat.

Besonderen Spaß macht es zu lesen, wie Antoine Laurain auf sehr ironische Weise den französischen Literaturbetrieb auf den Arm nimmt. Er beschreibt überaus witzig, wie ein Verlag arbeitet, welche schrägen Vögel einem dort begegnen und was mit den vielen eingesandten Manuskripten passiert.

"Eine verdächtig wahre Geschichte" ist damit ein sehr unterhaltsamer Krimi, der seine Leser und Leserinnen immer wieder auf herzliche Art zum Lachen bringt.

Für alle, die heitere und kluge Unterhaltung lieben und auch für die, die eigentlich keine Krimis lesen. Dieser Roman könnte ihre Einstiegsdroge sein.

Antoine Laurain
Eine verdächtig wahre Geschichte

übersetzt von Claudia Kalscheuer

Atlantik, EUR 23,00

9783455012026

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Unser Buch der Woche, empfohlen von Brigitta Lange:

Joachim B. Schmidt: Tell

Der Mann traut sich was. Schreibt einfach den "Wilhelm Tell" noch mal. Und wie! Er haucht Schillers hehrem, drögem Freiheitshelden und dessen Kontrahenten Leben ein, verwandelt sie in Menschen aus Fleisch und Blut und macht ihre Aktionen und Reaktionen endlich nachvollziehbar.

Tell ist ein einfacher Bergbauer, ein Eigenbrödler, der die Witwe seines Bruders geheiratet hat, weil sich das so gehört. Über Freiheit und Selbstbestimmtheit nachzudenken ist angesichts der täglichen Mühsal und der Lebensverhältnisse des frühen 14. Jahrhunderts vollkommen absurd. Die schicksalhafte Begegnung mit dem Habsburger Landvogt Gessler ist zufällig und hätte Wilhelm Tell bei dieser Gelegenheit nicht den Unmut von dessen Hauptmann Harras erregt, wäre das folgende Drama nicht entstanden.

Zwanzig Menschen kommen zu Wort und schildern aus unterschiedlichen Blickwinkeln das erbärmliche Leben der Bergbauern, den schwachen Statthalter der Habsburger, die Brutalität und Verrohung der Besatzungssoldaten und die tragische Geschichte der Familie Tell.

Wir schlagen vor, dass alle SchülerInnen, die im laufenden Schuljahr Schillers Wilhelm Tell als Pflichtlektüre lesen müssen, ebenfalls Schmidts Tell lesen dürfen. Das könnte die Sache für sie erheblich erfreulicher machen.

Joachim Schmidt, Isländer mit Schweizer Wurzeln, ist am 6. Mai 2022 unser Gast im 28. Saarner Bücherfrühling in Hillas KulturPalast.
Nähere Infos zur Lesung unter

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Unser Buch der Woche, empfohlen von Angelika Gorissen

Das Buch der verschollenen Namen

erzählt die wahre Geschichte des kleinen französischen Ortes Aurignon, der während des Zweiten Weltkriegs zum Symbol des französischen Widerstandes wurde.

Eva und ihre Eltern leben schon lange als polnisch-stämmige Juden in Paris. Nach der Verhaftung und Deportation des Vaters fliehen Eva und ihre Mutter ins freie Frankreich. In der versteckten Bibliothek der Kirche von Aurignon fälscht Eva zusammen mit dem Widerstandskämpfer Remy Ausweise für jüdische Kinder und hilft ihnen über die Schweizer Grenze. Es ist ihr wichtig, die wahre Identität der Kinder verschlüsselt in einem alten Messbuch, im Buch der verschollenen Namen, festzuhalten, damit die Kinder später ihren Weg nach Hause finden können.

Ihre Mutter hadert ständig mit dem Schicksal und macht ihr Vorwürfe. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, ihren deportierten Mann zu finden und zu retten. Zufällig trifft Eva ihren Jugendfreund Joseph wieder, der sich als führender Kopf der Resistance entpuppt. Doch ihre Widerstandszelle fliegt durch Verrat auf, Remy taucht unter, Eva flüchtet in die Schweiz. Kristin Harmel erzählt auf beeindruckende Weise diese spannende und sehr berührende Geschichte, die auf Tatsachen beruht. Gerne empfohlen besonders für Leser von Kristin Hannah (Die Nachtigall).

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WDR2 am 15. Dezember 2021 - Brigitta Lange empfiehlt Clinton/Penny: State of Terror

Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton hat gemeinsam mit ihrer Freundin, der kanadischen Bestseller-Autorin Louise Penny, einen Politthriller vom Feinsten geschrieben. Die Geschichte ist fiktiv, steckt aber trotzdem voller Insiderwissen, was das Buch unheimlich spannend macht.

Wer "State of Terror" in die Hände nimmt, sollte sich auf jeden Fall auf leseintensive Tage einstellen, denn einmal angefangen, lässt sich dieses Buch wirklich nur schwer weglegen.

Rasant erzählt, wahnwitzig spannend und damit einfach ein unglaublich gutes Buch.

Hillary Rodham Clinton und Louise Penny: State of Terror. HarperCollins, EUR 24,00. 978-3-7499-0318-4
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Unser Buch der Woche, empfohlen von Brigitta Lange

Frau Helbing, Fleischereifachverkäuferin im Ruhestand und ausgewiesene Krimiexpertin,

glaubt nicht, dass ihr Nachbar durch einen Unfall ums Leben gekommen ist. Aber wie soll sie das beweisen?

Natürlich mit Zähigkeit, Akribie und ermuntert vom türkischen Schneider in ihrer Straße. Ein Cozy Crime, das schmunzeln lässt.

Eberhard Michaely: Frau Helbing und der tote Fagottist

Kampa Verlag, EUR 14,90, 9783311300083

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Unser Buch der Woche, empfohlen von Almut van Emmerich

Gabriele von Armin hat ein sehr berührendes Buch über die letzten Jahre ihres Mannes geschrieben.

Er erleidet einen Schlaganfall, genau an dem Tag, als sie ihm mitteilt, dass sie sich ein gemeinsames Leben nicht mehr vorstellen kann. Zehn Tage später folgt der zweite Schlaganfall und schleudert ihn komplett aus seinem alten Leben. Sein Artikulationszentrum ist getroffen und der Mann, der es liebte zu sprechen, bringt nur noch mühsam Worte, die geplatzten Knallerbsen gleichen hervor. Trotz seiner Unfähigkeit zu reden, wartet er auf Antworten, weil sein Geist nach wie vor schnell und scharf arbeitet, wenngleich der übrige Körper gelähmt ist und ihm versagt verständlich zu sprechen, zu lesen oder zu schreiben.

Zehn Jahre kämpfen beide gegen dieses Eingeschlossen sein. Sie verlässt ihn nicht, sondern organisiert um ihn herum Pflege und Unterhaltung. Sie lädt Freunde ein, organisiert Pflegekräfte, Physiotherapeuten und Vorleser. Sie versucht alles, um die Leiden ihres Mannes zu lindern und überschreitet dabei auch die Grenze der Fürsorge. Gabriele von Armin hat einen sehr einfühlsamen, literarischen Text geschrieben, der weit über einen Erfahrungsbericht hinausgeht und trotz seiner in vielen Passagen tiefen Traurigkeit, ebenso viel Trost spenden kann.

Gabriele von Armin: Das Leben ist ein vorübergehender Zustand

Rowohlt, EUR 22,00, 9783498002459

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Unser Buch der Woche, empfohlen von Angelika Gorissen

Das Haus des Leuchtturmwärters von Kathleen Freitag ist eine spannend erzählte Fluchtgeschichte aus der DDR, die 1962 im kleinen Ort Lützow in der Nähe von Rostock an der Ostsee spielt.

Im Mittelpunkt steht Else, die Tochter des Leuchtturmwärters, ihre beste Freundin Lulu und Lulus Freund Otto, seines Zeichens Posaunist am Orchester des Rostocker Staatstheaters und Mitglied einer geheimen Jazz-Combo. Gemeinsam planen sie heimlich ihre Flucht über die Ostsee in einem Faltkajak, das aber erst noch mühevoll repariert werden muss. Else lebt mit ihrem Vater, dem Leuchtturmwärter, in einem kleinen Haus am Leuchtturm und arbeitet im nahen Gasthof, nachdem sie trotz bester Noten kein Abitur machen durfte.

Ihre Mutter ist schon früh unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen, über die der Vater nie sprechen will. 1992 kehrt junge Schriftstellerin Franzi zum Ort ihrer glücklichen Kindheit zurück. Auch sie ist im Haus am Leuchtturm groß geworden. Hier will sie ihre Schreibblockade überwinden und einen neuen Thriller schreiben. Zufällig findet sie Elses Tagebuch aus den 60er Jahren, das die Planungen zur Flucht aus der DDR beschreibt. Die Autorin hat sich von den Geschichten ihrer Eltern über den Alltag in der DDR inspirieren lassen, über den real existierenden Sozialismus, die Mangelwirtschaft, die Reisebeschränkungen, die allgegenwärtige Stasi. Ihr Roman ist ein Stück DDR-Geschichte zum Miterleben.

Kathleen Freitag: Das Haus des Leuchtturmwärters

Harper Collins 2021, 15 EUR, 9783749901326

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Unser Buch der Woche, empfohlen von Birgit Farsen-Reich

Nina Georg ist FOOD-Journalistin, lebt in London und recherchiert gerade an ihrem dritten Kochbuch.

Nach einer langjährigen Beziehung mit Leo ist sie jetzt wieder Single und hat sich bei einer Dating-App angemeldet. Schon bald erobert Max ihr Herz, der ihr ein paar Wochen eine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen beschert. Doch dann verschwindet Max und mit ihm sein Online Profil. Zugegeben das hört sich an, wie eine Liebesgeschichte mit wenig Tiefgang, bei der man nur auf das Happy End wartet. Aber dieser Roman Gespenster von Dolly Alderton bietet mehr. Er handelt davon, wie es sich anfühlt als 32jährige, wenn alle um einen herum heiraten und Familien gründen. Junggesellinnenabschiede finden statt und einer davon bei ihrem Ex Leo mit anschließender Hochzeitsfeier.

Um sie herum bekommen alle ihre ersten Babys und ihre beste Freundin bekommt schon ihr zweites Kind. Tragisch und emotional erlebt sie die beginnende Alzheimer Erkrankung ihres geliebten Vaters und sorgt sich um ihre Mutter, die das schwer akzeptieren kann. Der vermeintlich asoziale Mieter in dem Haus, indem sie eine teure Wohnung bezogen hat, trägt auch nicht gerade zu ihrem Wohlbefinden bei. Die Schreibweise von Dolly Alderton ist schlagfertig und gekonnt, leicht zu lesen aber niemals seicht. Mit spritzigem, britischem Humor lässt die Geschichte an Bridget Jones, "Schokolade zum Frühstück" erinnern. Sommerlektüre pur.

Gespenster, Dolly Alderton

Atlantik Verlag, EUR 22,00, 9783455011098

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Unser Buch der Woche, empfohlen von Almut van Emmerich

Der Autor Colum McCann schreibt über den Israeli Rami Elhanan und den Palästinenser Bassam Aramin, die gemeinsam im Kampf für den Frieden zu Freunden werden, obwohl sie allen Grund hätten sich zu hassen.

Beide haben ihre Töchter verloren. Smadar starb 1997, mit 13 Jahren, bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag und Abir starb zehn Jahre später als Zehnjährige durch das Gummigeschoss eines israelischen Grenzsoldaten. McCann erzählt, wie sie über ihre Töchter sprechen, über das was sie verloren haben und wie sie damit umgehen. Oft sprechen sie vor vielen Menschen, oft vor Schulkindern und erzählen ihre Geschichte in ihrer Heimat und auch in fernen Ländern, manchmal bis zu sechsmal am Tag.

Der Autor setzt seine Geschichte aus gefühlt unendlich vielen kleinen Geschichten zusammen und wie ihm diese literarische Friedensbotschaft gelingt ist große Kunst, ein literarisches Apeirogon. Apeirogon ist eine zweidimensionale geometrische Form mit einer gegen unendlich gehenden Zahl von Seiten. Der ganze Roman ist wie ein Kaleidoskop aus Sprüngen zwischen den Kapiteln, aus Themen und Zeiten. Beeindruckend bindet er die Erzählungen von Rami und Bassam mit großem Bogen in einen Kontext von Theresienstadt nach Jerusalem, vom Vogelzug über dem Westjordanland und dem Toten Meer zu Mahatma Gandhi ein. Dies ist ein Roman mit einer Botschaft. Frieden entsteht nur, im Verzicht auf Rache.

Colum McCann: Apeirogon

Rowohlt, EUR 25,00, 9783498045333

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